Wie ein Wiener Unternehmen die Schadenabwicklung am Unfallort digitalisiert

Nach einem Verkehrsunfall beginnt für Flottenbetreiber und Versicherer der teure Teil: Fotos auf dem Handy, Formulare auf Papier, Rückfragen per Telefon. Das Wiener Unternehmen Crashwise erfasst den Unfall direkt vor Ort digital und macht daraus eine strukturierte Schadenakte.
Ein Lieferwagen, ein Parkschaden, ein Fahrer unter Zeitdruck. Er macht drei Fotos, keines zeigt das Kennzeichen des anderen Fahrzeugs, der Unfallgegner ist schon weg. Zwei Tage später landet der Fall bei der Flottenverwaltung, die nun telefonieren, nachfragen und selbst ausfüllen muss. Beim Versicherer kommt am Ende ein Freitext mit Anhängen an, der händisch in das Kernsystem übertragen wird. So läuft ein Großteil der Schadenmeldungen im deutschsprachigen Raum bis heute ab.
Der teure Teil entsteht nach dem Aufprall
Der Unfallort ist der Ausgangspunkt des gesamten Schadenprozesses. Was dort fehlt oder schlecht erfasst wird, lässt sich später oft nur mit hohem Aufwand oder gar nicht mehr rekonstruieren. Die Folgen sind auf beiden Seiten dieselben: unvollständige Erstmeldungen, wiederholte Rückfragen, lange Bearbeitungszeiten. Für Flotten bedeutet das Standzeit am Fahrzeug und Arbeitszeit in der Verwaltung, für Versicherer Nacharbeit Fall für Fall.
Genau hier setzt Crashwise an. Die Plattform führt die Beteiligten am Unfallort Schritt für Schritt durch die Erfassung, prüft die Qualität der Angaben noch während der Aufnahme und strukturiert die Informationen mit Hilfe künstlicher Intelligenz zu standardisierten Schadendaten.
Vom Unfallort zur Schadenakte in vier Schritten
Der Ablauf ist bewusst einfach gehalten. Zunächst dokumentiert der Fahrer den Unfall geführt und multimodal: Fotos aus den erforderlichen Perspektiven, eine Sprachaufnahme zum Hergang, Dokumente wie Zulassungsschein oder Führerschein, ergänzende Angaben als Text. Fehlt ein Pflichtfeld oder ist ein Foto unbrauchbar, meldet das System das sofort und nicht erst Tage später.
Im zweiten Schritt werden Unfallgegner und Zeugen eingebunden. Sie erhalten per QR-Code einen Link, über den sie ihre Kontaktdaten, Fotos und ihre eigene Sicht des Hergangs eingeben und elektronisch bestätigen können. Eine App müssen sie dafür nicht installieren.
Anschließend strukturiert die künstliche Intelligenz die gesammelten Informationen: Fahrzeugdaten, Kennzeichen, Beteiligte, Unfallzeit und Unfallort, sichtbare Schäden, Aussagen. Kritische Ergebnisse werden menschlich geprüft. Crashwise versteht sich nicht als autonomes Entscheidungssystem: Die Plattform liefert saubere Daten, die Entscheidung bleibt beim Menschen.
Am Ende stehen eine strukturierte Schadenakte und ein elektronisch signierter PDF-Report je Fall, dazu Dashboards für die Schadenbearbeitung und das Management, eine Schnittstelle zur Datenübergabe und Single Sign-on. Auf Wunsch leitet die Plattform den Fall direkt an die Abschleppdienste und Partnerwerkstätten weiter, die der Kunde hinterlegt hat.
Jeder Fahrer, jede Sprache
Für Flottenbetreiber liegt der Nutzen in der Einheitlichkeit. Gemischte Fuhrparks, wechselnde Fahrer, Subunternehmer: Bisher hing die Qualität einer Schadenmeldung von Erfahrung, Stress und Sprachkenntnissen des Einzelnen ab. Crashwise ist in mehr als 30 Sprachen verfügbar und führt jeden Fahrer durch denselben Ablauf, ohne Schulung und ohne App-Installation. Die Dokumentation über den gesamten Fuhrpark wird dadurch vergleichbar, auch für Leasingfahrzeuge, bei denen die lückenlose Schadenhistorie am Ende der Laufzeit zählt.
Bessere Daten für das Kernsystem
Versicherer sprechen Crashwise anders an. Die Plattform ersetzt kein Kernsystem, sie liefert ihm bessere Daten. Die Qualität der Erstmeldung bestimmt, wie viel Nacharbeit in der Regulierung entsteht. Kommt der Fall bereits strukturiert und geprüft an, samt Angaben der Gegenseite und der Zeugen, entfallen viele Rückfragen, und die Bearbeitung beginnt früher. Die Integration in bestehende Systeme erfolgt über die Schnittstelle und ist in ihrem Umfang bewusst begrenzt gehalten.
Unfallanalyse trifft Versicherungserfahrung
Hinter Crashwise stehen zwei Personen mit unterschiedlichen Perspektiven auf denselben Vorgang. Matthias Schmidt, CEO und CTO, beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit digitaler Unfallanalyse und hat ein Fachbuch zu dem Thema veröffentlicht. Er verantwortet Produkt und Technologie. Doris Zuba-Stark, CFO, bringt mehr als 20 Jahre Managementerfahrung aus der Versicherungsbranche mit und kennt die Kaufkriterien von Versicherern und Enterprise-Kunden aus der Praxis.
Die Kombination prägt das Produkt: Was am Unfallort technisch erfasst werden kann, wird so aufbereitet, wie es Schadenabteilungen tatsächlich brauchen. Beide Seiten sind dem Team vertraut: der Fahrer, der nach dem hundertsten Erklären trotzdem die falschen Fotos schickt, und der Sachbearbeiter, der daraus einen Fall machen muss.
Der Blick nach vorn
Crashwise arbeitet derzeit mit Kunden aus Zentral- und Osteuropa, darunter Flottenbetreiber und Versicherer. Das Ziel ist ein durchgängiges digitales Unfallökosystem: ein Prozess, der am Unfallort beginnt und ohne Medienbruch bis zur abgeschlossenen Schadenakte reicht, über Organisations- und Systemgrenzen hinweg.
Mehr Informationen auf: crashwise.app