Das Hotel, das mitdenkt: Oberösterreichisches Start-up will Hotels autonomer machen

Es fehlen Fachkräfte, und die Gäste werden digitaler. Das Start-up Majourny will Hotelteams mit KI die Routinearbeit abnehmen. Entwickelt wurde die Software nicht am Reißbrett, sondern im laufenden Hotelbetrieb.

Gründerteam von Majourny

In der Hotellerie kommen zwei Entwicklungen zusammen. Zum einen fehlen Fachkräfte. Rezeption, Housekeeping und Haustechnik arbeiten oft mit wenig Personal, und viel Zeit geht für Telefonate, Zettel und Nachfragen verloren. Zum anderen wächst eine Gästegeneration heran, die mit dem Smartphone aufgewachsen ist und jetzt immer mehr Geld zum Reisen hat. „Die Gen Z will ihre Anliegen digital erledigen, zu jeder Uhrzeit. Gleichzeitig hat das Personal schlicht keine Kapazität mehr, alles händisch abzufangen“, sagt Fabian Pischinger, Gründer und CEO des oberösterreichischen Start-ups Majourny.

Zielgruppe sind Boutique-Hotels, inhabergeführte Hotels und Chalets. In diesen Betrieben übernehmen oft wenige Menschen viele Rollen gleichzeitig, und für eine eigene IT-Abteilung ist kein Platz.

Im echten Betrieb entwickelt

Majourny wird seit Ende 2025 im laufenden Hotelbetrieb entwickelt, gemeinsam mit dem Stift Schlägl und dem Boutiquehotel Königswieserhof. „Wir haben nicht im Büro überlegt, was Hotels brauchen könnten. Wir waren im Betrieb und haben gesehen, wo jeden Tag Zeit verloren geht“, sagt Pischinger. Diese Erfahrungen sind direkt in das Produkt eingeflossen. Im September hat das Start-up Version 1.0 veröffentlicht.

Was es kann

Majourny wird an das bestehende Property-Management-System (PMS) des Hotels angebunden, also an die Software, in der Reservierungen, Zimmer und Gästedaten verwaltet werden. So entsteht keine zusätzliche Insellösung: Anreisen, Zimmernummern und Aufenthaltsdaten fließen automatisch ins System.

Im Kern geht es um Automatisierung. Wiederkehrende Abläufe, die heute über Telefon, Zuruf oder Zettel laufen, übernimmt die Software. Für das Team bündelt der Majourny TeamHub Aufgaben, Übergaben und Kommunikation zwischen Rezeption, Housekeeping, Haustechnik und Küche. Eine KI-Wissensdatenbank sorgt dafür, dass auch neue oder saisonale Mitarbeiter Antworten auf Fragen zum Haus sofort finden. Die Gäste erreichen über einen digitalen Concierge rund um die Uhr das Hotel. Rund 40 % der Zeit einer Rezeption gehen heute mit der Beantwortung repetitiver Fragen drauf.

Szenario: Das defekte Waschbecken

Ein Gast bemerkt, dass am Waschbecken im Bad etwas kaputt ist. Bisher läuft das meist so: Der Gast ruft die Rezeption an, die Rezeption ruft die Haustechnik an, der Haustechniker notiert es auf einem Zettel. Ob und wann das Problem behoben wurde, erfährt oft niemand.

Mit Majourny meldet der Gast den Schaden einfach über sein Smartphone dem Chatbot. Das System erkennt, dass es sich um einen Wartungsfall handelt, und legt automatisch eine Aufgabe für das Haustechnik-Team an, samt Zimmernummer aus dem PMS. Ist die Reparatur erledigt, hakt der Techniker die Aufgabe ab, und die Rezeption sieht den Status. Kein Anruf bei der Rezeption, kein Zettel mit einem Todo, keine vergessene Meldung.

Wo es hin will

Der nächste Schritt ist noch nicht entwickelt, gibt aber die Richtung vor: KI-Agenten sollen einen großen Teil der Back-Office-Arbeit in Hotels selbstständig erledigen. Gemeint sind Tätigkeiten, die heute viele Stunden binden, aber wenig mit Gastfreundschaft zu tun haben. „Die KI soll niemanden ersetzen. Sie soll die Arbeit übernehmen, die keiner gerne macht, damit wieder mehr Zeit für die Gäste bleibt“, sagt Pischinger.

Die Verantwortung bleibt dabei beim Menschen. Entscheidungen über Preise, Kulanz oder den Umgang mit Beschwerden trifft weiterhin das Hotel. Die Software bereitet vor, organisiert und erinnert.

Nach der Veröffentlichung von Version 1.0 will Majourny nun weitere Betriebe gewinnen. Interessierte Hotels finden Informationen unter www.majourny.com